Beitrag von Dr. Gregor Nagler zum Nyphenbrunnen


Quelle: Dr. Gregor Nagler, architektur.raum.augsburg

An anderer Stelle plätschert in Augsburg nichts mehr. Der Nymphenbrunnen mit seiner 1928 von Fritz Beck geschaffenen Figurengruppe ist marode. Er steht auf einem Grünplatz an der Gabelung von Langenmantel- und Holzbachstraße unter wunderbaren alten Kastanien. Die Anlage ist ein Musterbeispiel für einen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität: Brunnen und Kastanien sind auf die Architektur des 1924-26 erbauten, ehemaligen Telegraphenamts von Robert Vorhoelzer, Georg Werner und Heinrich Götzger bezogen. Auch im Sommer ist es auf den Bänken unter den Bäumen angenehm; wäre der Brunnen in Betrieb, würde sein Rauschen den Straßenverkehr teils übertönen.

Bildquelle: Dr. Gregor Nagler, Aufnahmedatum: 10. Mai 2021

Seit 2019 setzt sich die Baumallianz für die Sanierung des Nymphenbrunnens ein. Die Stadt Augsburg argumentiert, ihr seinen „die Hände gebunden“: Um den Brunnen aufwändig zu sanieren, müssten die Kastanien gefällt werden. Als Vorschlag ließ die Stadt im Januar 2021 verlauten, das Brunnenbecken solle in ein Blumenbeet umgewandelt werden, was dem Gedanken der Anlage zuwiderläuft. Es steht zu befürchten, dass der Nymphenbrunnen dann weiter vor sich hinbröselt und irgendwann eine Umgestaltung in die übliche Augsburger Steinwüste droht. Ob die Wiederherstellung des Nymphenbrunnens kompliziert und teuer ist – dies maße ich mir nicht an, zu beurteilen. Was aber feststeht ist: Die Planungen für den Bahnhofstunnel – Kostenpunkt über 140 Millionen – wurden frohen Mutes begonnen, ohne geklärt zu haben, auf welcher Trasse die Straßenbahnen denn genau durch das zierliche Thelottviertel rumpeln sollen. Da sollten die – womöglich aufwändige – Sanierung des Nymphenbrunnens und der Erhalt der Kastanien doch einen Versuch wert sein.

Bildquelle: Dr. Gregor Nagler, Aufnahmedatum: 10. Mai 2021

Initiative Bismarckviertel – Petition wurde am 19.05.2021 eingereicht


Quelle: Initiative Bismarckviertel, 27.5.2021

Initiative Bismarckviertel zur Petition „Führen Sie eine Erhaltungssatzung für Augsburger Stadtviertel mit Baubestand ohne Denkmalschutz ein!“

Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, am Mittwoch, den 19. Mai, um 16.00 Uhr war es so weit: Mit sechs Vertretern der Initiative Bismarckviertel waren wir im Augsburger Rathaus, um Oberbürgermeisterin Eva Weber unsere Petition mit insgesamt 3603 Stimmen zu überreichen. Bei der Übergabe waren auch Vertreter der Augsburger Allgemeinen Zeitung und Augsburg TV anwesend.

Unser Anliegen ist es, an die Stadtregierung zu appellieren, künftig neben dem Denkmalrecht weitere Möglichkeiten zur Erhaltung des Bau- und Baumbestandes für das Augsburger Stadtgebiet zu nutzen, insbesondere das Instrument der Erhaltungssatzung. Die Petition lief vom 28. Februar bis 27. März. In diesem Zeitraum haben insgesamt 3603 Menschen die Petition unterschrieben und über 1000 unterstützende Kommentare auf der Petitionsseite abgegeben.

Was wurde durch die Petition bewirkt?

Welche Aufmerksamkeit und Wirksamkeit diese Petition haben sollte, konnte sich Ende Februar noch keiner von uns vorstellen. Einige andere Bürgerinitiativen in der Stadt haben sich in den letzten Jahren für ähnliche Anliegen eingesetzt und es hat sich zum Teil sehr wenig bewegt. Dank deren Mithilfe, sowie der großen Unterstützung von Fachexperten und vielen Bürgerinnen und Bürgern aus Augsburg und darüber hinaus, konnten wir mit dieser Petition erste Erfolge verbuchen:

  • 3603 Unterschriften konnten gesammelt werden, von denen 78% direkt aus Augsburg kommen
  • Die „rote Villa“ in der Perzheimstraße steht seit dem 17. März 2021 unter Denkmalschutz. Ein Abriss ist nur mit Genehmigung und Prüfung möglich.
  • Die „Dieselvilla“ in der Hochfeldstraße ist durch die erste Erhaltungssatzung Augsburgs seit 19. März 2021 besonders geschützt und darf ohne Genehmigung nicht mehr abgerissen werden.
  • Die beiden mächtigen alten Buchen auf den zwei Grundstücken haben reichlich mediale Aufmerksamkeit bekommen, so dass weitere Entwicklungen um beide Bäume immer auch im Licht der Öffentlichkeit stattfinden werden.
  • Der Stadtrat hat angekündigt, weitere Bereiche des Bismarckviertels sowie weitere Stadtviertel Augsburgs mit Erhaltungssatzungen zu schützen.

Denkmalschutz vs. Erhaltungssatzungen – eine Anmerkung:

Sowohl die „Rote Villa“ in der Perzheimstraße als auch die Dieselvilla in der Hochfeldstraße standen bisher nicht unter Denkmalschutz. „Die 1070 Einzeldenkmale in Augsburg entsprechen nur zirka 1,3% des Baubestandes […] historische Mietshäuser, Lieblinge in der Gunst von Immobilienmaklern, machen nur einen relativ kleinen Teil aus.“ (Tag des offenen Denkmals – Stadt Augsburg 2013). Diese Information hat uns bei unserer historischen Stadt Augsburg selbst überrascht. Das Denkmalrecht ist Landesrecht. Die Erhaltungssatzungen sind eine Möglichkeit der Stadt, schützend und gestaltend in die Entwicklung der Stadtviertel einzuwirken. Daher ist es wichtig, ihren Einsatz weiterhin einzufordern.

Unser Resümee:

Im Rahmen der Netzwerkgespräche und umfangreicher Recherchearbeit rund um die Petition ist für uns deutlich geworden: das Thema „Wie leben und wohnen wir zukünftig in unserer Stadt“ liegt vielen Menschen am Herzen und umfasst ein breites Spektrum von Themen und Fragen. Dabei geht es um einen behutsamen Umgang mit Bausubstanz und dem Stadtbild unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten. Es geht um Nachhaltigkeit, Identität, Mietpreisentwicklung, Bodenpreise, Klimaschutz, die reiche und vielfältige Baugeschichte der Stadt Augsburg und die Frage, welche Vision der Stadtentwicklung als Grundlage dienen könnte.

Unsere Stadt verändert sich in einem rasanten Tempo. Viele dieser Veränderungen finden jeweils lokal statt, in einem bestimmten Viertel, rund um konkrete Gebäude und Strukturen. Diese Entwicklungen, wie auch immer man sie im Einzelfall bewertet, wirken für die meisten von uns oft unausweichlich und unveränderlich. Doch dem ist nicht so: Bürgerengagement lohnt sich! Dranbleiben umso mehr!

Wie geht es weiter?

Wir möchten an dem Thema dranbleiben, möchten aufmerksam sein, wenn gravierende Veränderungen unbemerkt passieren und eine Plattform bieten für Austausch und Information. Dazu werden wir uns neu organisieren und eine geeignete Form des Austausches finden, der sich auch langfristig aufrechterhalten lässt. Wie das aussehen soll, wird sich noch zeigen.

Wer über weitere Aktivitäten und die Zukunft der Villen auf dem Laufenden gehalten werden möchte, ist herzlich eingeladen, unserer Facebook-Gruppe  beizutreten. Darüber hinaus werden wir weiterhin das Instagram-Profil betreiben und über unsere Emailadresse kontaktierbar sein.

Danke an alle, die sich eingebracht haben und uns so vielfältig unterstützt haben! Das war großartig!

Vielen Dank und bis bald,
Eure Initiative Bismarckviertel

Stadtbäume müssen Hitze und Trockenheit verkraften


Quelle: BR Wissen, 22.4.2021

Ulme, Linde, Esche, Eiche oder Platane – diese Bäume prägen das Bild unserer Städte. Doch unsere altbekannten Baumarten leiden. Sie kämpfen mit den Folgen des Klimawandels. Deshalb suchen Forscher nach geeigneten Baumarten für die Zukunft.

Strenger Frost im Wechsel mit Hitze und Trockenheit. Die Folge: Immer öfter reißen die Stämme der Bäume. Unsere bekannten Stadtbäume wie Linden, Kastanien und Ahorn-Sorten werden anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Deshalb wird nach neuen Baumarten gesucht, die besser mit den veränderten Bedingungen zurechtkommen. Weiterlesen auf BR Wissen

Erhaltungssatzung statt Vorschlaghammer


Quelle: Neue Szene, Lina Frijus-Plessen, April 2021

Der geplante Abriss der charakteristischen Diesel-Villa im Bismarckviertel löste in den letzten Wochen bei vielen Augsburger*innen große Empörung aus. Schnell wurde klar, dass der bedrohte Altbau Teil eines viel weitreichenderen Problems der Augsburger Stadtentwicklung ist. Daraufhin haben sich Anwohner*innen und Gewerbetreibende aus dem Bismarckviertel zu einer Bürgerinitiative zusammengetan und eine Petition auf die Beine gestellt. Sie fordern die Stadt auf, sich aktiv für die Erhaltung historischer, nicht-denkmalgeschützter Gebäude einzusetzen und so die bauliche Identität der Augsburger Stadtteile zu erhalten. Sänger und Gesangslehrer Daniel Karrasch, der sich in der neu gegründeten Initiative Bismarckviertel engagiert, erklärt uns im Gespräch, welche Ziele sie verfolgt. Weiterlesen in der neuen Szene

Stadt soll Bauten und Grün historischer Viertel besser schützen


Quelle: Augsburger Allgemeine, Eva Maria Knab, 3.4.2021

Bürger wünschen sich mehr Schutz für historische Gebäude. Im Streit um die „rote Villa“ an der Perzheimstraße sorgt ein schwerer Baumschaden für neuen Ärger.

Der Streit um zwei historische Villen im Bismarckviertel und Thelottviertel ist noch nicht zu den Akten gelegt – auch wenn die beiden Gebäude vorerst vor einem Abbruch gerettet wurden. Bürger fordern nun weitere Schritte der Stadt. Diese müsse in mehr Wohnvierteln den alten Bau- und Baumbestand besser schützen. Konkret gibt es neuen Ärger wegen einer großen alten Buche neben der „roten Villa“ an der Perzheimstraße. Wurde sie so stark beschnitten, dass sie nicht mehr zu retten ist? Der Eigentümer der Villa weist die Vorwürfe zurück. Weiterlesen in der Augsburger Allgemeine